dissabte, 12 de setembre de 2015

Kleine Zeitung: 'Über eine Million protestieren für Unabhängigkeit' #eu #news #germany #usa #politics #politik

Kundgebung in Barcelona

Über eine Million Anhänger der Unabhängigkeit Kataloniens demonstrierten auf Barcelonas Straßen. Der Marsch läutete inoffiziell die beginnende Kampagne für die plebiszitären Regionalwahlen am 27. September ein.


Kundgebung in BarcelonaFoto © AP

Mehr als eine Million Menschen hat am Freitagnachmittag in Barcelona für die Abspaltung ihrer Region von Spanien demonstriert. Am katalanischen Nationalfeiertag "Diada" verteilten sich die Demonstranten auf über fünf Kilometern in der Avenida Meridiana der katalanischen Mittelmeermetropole.

Viele waren in katalanische Unabhängigkeitsfahnen (Esteladas) gehüllt. Andere hielten die Fahne mit dem blauen Stern unter Schreien nach "Independencia" (Unabhängigkeit) in die Luft. "Freedom for Catalonia" stand auf Tausenden von Plakaten. Dutzende Perkussion-Bands gaben mit ihren Trommeln den Rhythmus der Gesänge vor. Über 60 Folklore-Gruppen bildeten die auf katalanischen Festen traditionellen Castells, bis zu 15 Meter hohe Menschenpyramiden.

Es war ein gigantisches Volksfest, mit dem Kataloniens Separatisten ihre Stärke demonstrieren wollten. Die Polizei sprach nach ersten Schätzungen von 1,4 Millionen Teilnehmern. Die Protestmarschveranstalter der Katalanischen Nationalversammlung (ANC) gehen von zwei Millionen Menschen aus.

"Wir fühlen uns nicht als Spanier"

Mit über 2.000 Bussen kamen Unabhängigkeitsbefürworter aus ganz Katalonien nach Barcelona. Der 30-jährige Luis und seine vier Freunde sind mit dem extra gecharterten Bus aus Lleida, im Landesinneren Kataloniens, gekommen. "Wir fühlen uns nicht als Spanier. Wir haben hier unsere eigene Sprache, unsere eigene Tradition und möchten als Katalanen leben", sprach er aus, was viele Teilnehmer des Protestmarsches dachten.

Jedes Jahr am 11. September gedenken die Katalanen ihrer historischen Niederlage im Spanischen Erbfolgekrieg im Jahr 1714. Damals verlor Katalonien seine Selbstverwaltungsrechte und wurde der spanischen Krone eingegliedert. Am Freitag startete deshalb symbolisch um 17.14 Uhr der Unabhängigkeitsmarsch unter dem Motto "Via Lliure a la Republica Catalana" (Weg frei für die katalanische Republik).

Schon seit vier Jahren finden die Massenprotestmärsche für die Unabhängigkeit und das Recht auf Selbstbestimmung statt. Doch heuer könnte er nahezu historische Bedeutung bekommen. Denn er ist der inoffizielle Auftakt des in der Nacht auf Samstag beginnenden Wahlkampfes zu den sogenannten "Unabhängigkeitswahlen".

Kataloniens nationalistischer Ministerpräsident Artur Mas (CDC) hat für den 27. September plebiszitäre Regionalwahlen ausgerufen, die ein Ersatz für das im November vergangenen Jahres vom spanischen Verfassungsgericht verbotene Unabhängigkeitsreferendum werden sollen.

Mas und seine nationalistische Konvergenz-Partei (CDC) bildeten für die Wahlen mit den separatistischen Linksrepublikanern (ERC) und den Grünen (ICV) die Einheitsliste "Junts pel Si" ("Gemeinsam für das Ja"). Sollten sie die absolute Mehrheit von 68 Sitzen im Regionalparlament erreichen, wollen sie binnen 18 Monaten die Unabhängigkeit Kataloniens ausrufen.

Abspaltung verhindern

Laut jüngsten Umfragen stehen ihre Chancen gar nicht schlecht. Dennoch dürften die separatistischen Parteien selbst mit einer absoluten Mehrheit von 68 Sitzen gerade einmal 44 Prozent der knapp 5 Millionen wahlberechtigen Katalanen hinter sich haben, gibt der katalanische Politologe Jaume Lopez zu Bedenken. "Vor allem in Großstädten wie Barcelona und Tarragona ist das Kräfteverhältnis zwischen Separatisten und Nicht-Separatisten sehr ausgeglichen. Doch für Stimmen in den ländlicheren und meist separatistischen Provinzen gibt es prozentual mehr Sitze im Regionalparlament", erklärt Lopez.

Die konservative Zentralregierung von Ministerpräsident Mariano Rajoy (PP) will eine Abspaltung der wirtschaftsstärksten Region aber unter keinen Umständen zulassen. "Nur das gesamte spanische Volk kann über die Zukunft des Landes und die Territorien bestimmen", erklärte Spaniens stellvertretende Regierungschefin Soraya Saenz de Santamaria am Freitag. Die nationalistische Regionalregierung von Artur Mas kritisierte sie, den "Nationalfeiertag aller Katalanen für ihre parteiischen Zwecke" missbraucht zu haben.